Cisgender – Check your Privilege!

Definition Cisgender
Eine Beschreibung des Geschlechts (‚gender‘), wenn das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht (‚sex‘) und die Geschlechtsidentität einer Person in der erwarteten Weise übereinstimmen (z. B. jemand, der bei der Geburt als männlich zugewiesen wurde und sich als Mann identifiziert). Sozusagen das Gegenteil von transgender. Das Wort cisgender kann auch zu “cis” abgekürzt werden.
Die Vorsilbe “cis” kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “diesseits”, wogegen “trans” mit “jenseits”, “darüber hinaus” übersetzt werden kann. Der Begriff Cisgender bzw. “Zissexualität” wurde 1991 von einem Sexualwissenschaftler geprägt, um auch für das angenommene “Normale” eine Bezeichnung zu haben und nicht nur für die Abweichungen. Damit deutlich wird, das es auch eine Geschlechtsidentität ist.

Cisgender Privilegien
Die Vorteile, die sich aufgrund der Übereinstimmung von Geschlechtsidentität und dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht ergeben. 

 

„Cisgender“ – Was soll das denn sein? 

Für viele cis-Personen ist ihre geschlechtliche Identität eine Selbstverständlichkeit. Sie hatten niemals das Bedürfnis, das ihnen bei der Geburt zugewiesene Geschlecht zu hinterfragen. Es ist ja schließlich auch „normal“ so zu fühlen. Doch das ist es nicht. Viele Menschen auf der ganzen Welt, ob jung oder alt, identifizieren sich nicht mit dem Geschlecht, das ihnen andere nach der Geburt zugeteilt haben. Sie bezeichnen sich dann als #trans oder #nonbinary, als #agender oder ganz anders. Diese Geschlechtsidentitäten gelten als abweichend von der gesellschaftlichen Norm und kritisieren alleine durch ihre Existenz das bestehende #Zweigeschlechtersystem. Diese Tatsache scheint die Akzeptanz der nicht-binären Geschlechtsidentitäten in der Gesellschaft zu erschweren, wodurch trans-Personen auf vielen Ebenen Diskriminierung und Benachteiligung erleben. Gerade alltägliche Situationen stellen aufgrund der Andersbehandlung oft eine Herausforderung dar. Mit dieser Art von Diskriminierung sind cis-Personen im Alltag nicht konfrontiert und somit gegenüber nicht-binären Personen privilegiert. Hier sind ein paar Beispiele von Privilegien, die cis-Personen im Alltag genießen, die @queertopia zusammengestellt hat:

  1. Du kannst öffentliche Toiletten ohne Angst vor Beschimpfungen, Gewalt oder sogar Verhaftung benutzen.
  2. Du kannst öffentliche Einrichtungen wie Umkleideräume in Fitnessstudios und Geschäften ohne ungewollte Blicke und ohne Angst benutzen. 
  3. Fremde gehen nicht davon aus, dass sie dich fragen können, wie deine Genitalien aussehen und wie du Sex hast.
  4. Deine Geltung als Mann/Frau/Mensch basiert nicht darauf, wie viele Operationen du hinter dir hast oder wie gut du als nicht-trans „passed“
  5. Du kannst durch die Welt gehen ohne ständig angestarrt oder angegafft zu werden, ohne dass über dich geflüstert, auf dich gezeigt oder über dich gelacht wird.
  6. Fremde Menschen nennen dich bei dem Namen, den du angibst und fragen nicht nach deinem „richtigen“ Namen oder gehen davon aus, dass sie dich bei diesem nennen können.
  7. Du kannst davon ausgehen, dass dir deine Möglichkeit, einen Job zu bekommen, eine Wohnung zu mieten oder einen Kredit zu erhalten nicht aufgrund deiner geschlechtlichen Identität/deines Geschlechtsausdrucks verweigert werden wird.
  8. Du kannst flirten oder eine Beziehung eingehen, ohne befürchten zu müssen, dass dein biologischer Status ein Grund für Ablehnung oder Angriffe sein könnte, noch wird er deine_n Partner_in dazu bringen, seine_ihre sexuellen Orientierung zu hinterfragen.
  9. Wenn du in der Notaufnahme landest, musst du nicht befürchten, dass dein Geschlecht dich von einer angemessenen Behandlung abhält oder dass alle deine medizinischen Probleme als Folge deines Geschlechts gesehen werden.
  10. Deine Identität wird von den psychologischen und medizinischen Einrichtungen nicht als psychische Pathologie (“Geschlechtsidentitätsstörung”) betrachtet.
  11. Du musst dir keine Sorgen machen, dass du in einer geschlechtsgetrennten Haftanstalt, einem Gefängnis oder einer Strafvollzugsanstalt untergebracht wirst, die nicht mit deiner Identität übereinstimmt.
  12. Du wirst auf der Straße nicht aufgrund deines Geschlechtsausdrucks als Sexarbeiter_in betrachet.
  13. Du musst dich nicht einer umfangreichen psychologischen Untersuchung unterziehen, um eine medizinische Grundversorgung zu erhalten.
  14. Du musst dein Recht, ein Teil von “Queer” zu sein, nicht verteidigen und Schwule und Lesben werden nicht versuchen, dich aufgrund deiner Geschlechtsidentität aus “ihrer” Gleichberechtigungsbewegung auszuschließen (oder aus irgendeiner Bewegung, einschließlich feministischer Rechte).
  15. Wenn du ermordet wirst (oder irgendein Verbrechen gegen dich begangen wird), wird dein Geschlechtsausdruck weder als Rechtfertigung für deine Ermordung noch als Grund verwendet werden, die Täter_innen zu verschonen.
  16. Du findest leicht Vorbilder und Idole, denen du nacheifern kannst und die deine Identität teilen.
  17. Die Medienindustrie stellt Menschen deines Geschlechts akkurat dar und macht deine Identität nicht zum Mittelpunkt einer dramatischen Handlung oder zur Pointe eines Witzes.
  18. Du kannst davon ausgehen, dass jede_r, dem_der du begegnest, deine Identität versteht und nicht denkt dass du verwirrt oder irregeführt bist oder in der Hölle landen wirst.
  19. Du kannst Kleidung kaufen, die deiner Geschlechtsidentität entspricht, ohne dass dir der Service verweigert wird, du vom Personal verspottet oder über deine Genitalien ausgefragt wirst.
  20. Kein_e Fremde_r, der_die deinen Ausweis oder Führerschein kontrolliert, wird dich jemals beleidigen oder anstarren, weil dein Name oder Geschlecht nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, für das sie dich aufgrund deines Geschlechtsausdrucks halten.
  21. Dein Geschlecht ist eine Option in jedem Formular, das du ausfüllen musst.
  22. Du musst deine Eltern nicht von deinem „wahren“ Geschlecht überzeugen und/oder dir die Liebe und den Respekt deiner Eltern und/oder Geschwister neu verdienen.
  23. Du musst dein Umfeld nicht immer wieder daran erinnern, die richtigen Personalpronomen für dich zu verwenden.
  24. Du musst nicht alte Fotos von dir verstecken, weil sie nicht die Person widerspiegeln, die du heute bist.
  25. Du weißt, dass wenn du dich mit jemandem verabredest, diese Person nicht nur darauf aus ist, eine Neugierde oder einen Fetisch zu befriedigen, die oder der mit deiner Geschlechtsidentität zusammenhängt (z. B. unbedingt mal mit einer trans*-Person Sex zu haben).
  26. Du kannst so tun, als ob Anatomie und Geschlecht unwiderruflich miteinander verwoben wären, wenn du mit Kindern über “Jungen- und Mädchenteile“ sprichst, anstatt die tatsächliche Komplexität des Themas zu erklären. 

 

Was bringt es dir all diese Privilegien zu kennen? Was kannst du als cisgeschlechtliche Person tun?

Sei ein Trans*-Ally! Ein_e Verbündete_r! Also jemand, der oder die sich aktiv gegen die Unterdrückung diskriminierender Gruppen einsetzt und versucht das System der Ungerechtigkeit abzuschaffen. Sei dir deiner Privilegien bewusst und nutze diese, um dich aktiv für die trans und queere Community einzusetzen! Privilegiert heißt in diesem Zusammenhang übrigens nicht, dass du ein durchweg einfaches Leben hast, sondern eine bestimmte Art von Benachteiligung aufgrund struktureller Ungleichheiten nie erleben wirst. 

Wie Allyship in Bezug auf die LGBTIQ*-Community aussehen kann, erfährst du in unserem Beitrag “How to be an LGBTIQ*-Ally

Viel Spaß bei der kritischen Selbstreflexion!

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